Episode 39 Fühlst Du schon oder verdrängst Du noch? – Vom guten Umgang mit Gefühlen

Gefühle. Nur ein Hormoncocktail gemischt aus der Biochemie des Körpers? Oder der Stoff der das Leben erst lebenswert macht?

Wie hältst Du es mit Deinen Gefühlen? Ist es etwas, dass Dir Angst macht und Du so schnell wie möglich unter den viel beschriebenen Teppich kehrst oder kann es für Dich nicht intensiv genug sein?

Unangenehme Gefühle sind uns oft zu viel und wir wollen sie so schnell wie möglich wegbekommen. Oft halten wir es so aber auch mit intensiven positiven Gefühlen. Wie viele Menschen kennst Du, die sich z.B. noch richtig freuen können? Wie viele Menschen werden erst emotional, wenn sie ausreichend Alkohol getrunken haben.

Umgang mit Gefühlen geprägt durch Vorbilder und Gesellschaft

Eine ganze Gesellschaft redet davon, dass sie nach Glück strebt und sich glücklich fühlen will, aber es wirklich zulassen, dass das Leben einen berührt und man intensiv fühlt – auch positiv intensiv, kann kaum mehr einer. Im Business soll es schon gar nicht mehr vorkommen – das Gefühl. Dort werden dann unter rationalen Argumenten versteckt die Ängste versteckt und manipuliert, was das Zeug hält.

Eine Stilblüte in der Bewertung der Emotion Wut finde ich besonders bemerkenswert: die Mutter im Supermarkt, die ihr wütendes, tobendes, schreiendes dreijähriges Kind nicht im Griff hat, wird böse oder mitleidig angeschaut. Das Kind mit Blicken abgestraft. So wütend und unkontrolliert darf man in der Öffentlichkeit nicht sein. Nicht mal mit drei! Aber niemand wundert sich, wenn der hochdotierte Manager seine Aggressionen mit Hilfe des Gaspedals und der Lichthupe an seiner Luxuslimousine ausdrückt und alle um sich herum nötigt.

Die Ratio und das Diktat der Ratio legen den Gefühlen Zügel an. Wir hier im deutschsprachigen Raum sind z.B. sehr verwirrt, wenn wir die Trauerklagen muslimischer Frauen hören. Wir haben gelernt, starke Gefühle hält man zurück. Männer haben zum Teil noch solche Sätze gehört wie: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“. Viele Männer hatten in ihren Vätern und Großvätern keinerlei Vorbild zum Umgang mit Gefühlen. Wie viele meiner Freunde haben mir schon erzählt, dass ihre Väter sie kaum oder nie in den Arm genommen haben. Da wundert es nicht, dass ohne positive Lernerfahrung viele Erwachsene kaum mehr Gefühle zulassen können.

Wie wichtig das Fühlen ist, kann man an Menschen mit Depressionen sehen. Depression zeichnet sich durch einen Zustand total abgestumpfter Gefühle bis hin zur Gefühllosigkeit aus. Das ist für die Betroffenen schlimmer als Schmerz und Trauer und es gibt einige psychische Erkrankungen, bei denen sich die Betroffenen lieber selbst Schmerz zufügen, als gar nichts zu fühlen.

Umgang mit Gefühlen in der spirituellen Szene

Auch in der spirituellen Szene hat sich mitunter ein seltsamer Umgang mit Emotionen etabliert. Emotionen gelten als „Anhaftung“ und wer noch fühlt, sei nicht „erleuchtet“. Bedingungslose Liebe im All Eins wird als purer Zustand betrachtet, der mit Fühlen nichts mehr zu tun hat. Wenn Du noch im Schmerz landest, dann bist Du nicht wirklich spirituell reif und weise…

Das ist NICHTS für mich. Ich habe schon diverse Erleuchtungszustände erlebt und es war immer Glück pur, intensive Liebe, die ich auch über meinen KÖRPER wahrgenommen habe. Wenn wir fühlen, fühlen wir auch mit dem Körper. Ein echtes Gefühl hat einen Ort, einen Abdruck im Körper. Ist das nicht der Grund fürs Inkarnieren? Diese intensive Wahrnehmung? Das intensive Fühlen? Die meiste Zeit sind wir einfach „nur“ Seele. Ohne Körper. Wenn wir Seele im Körper sind, gilt es zu Genießen und zu Fühlen was das Zeug hält.

Und so lange wir auf unserer Heilreise sind, werden sich immer auch Schmerzen und negative Gefühle einstellen. Es wird seltener, weniger tief. Und doch zeigen sie uns an, wo wir noch hinschauen dürfen, uns noch mehr lieben können etc.

Heilsamer Umgang mit Deinen Gefühlen

Im Podcast zeige ich Dir einen heilsamen Umgang mit Deinen Gefühlen. Der Weg zwischen zu viel und zu wenig. Aus meiner eigenen ganz subjektiven Erfahrung. Trotzdem ist bestimmt etwas für Dich dabei. Hier nur ein paar Stichpunkte:

  • Gefühle unter den Teppich kehren ist nie hilfreich. Die Energie bleibt bestehen und die Emotion steuert Dich nun aus dem Unbewussten weiter, wo Du sie nicht mehr verstehst. Schlimmstenfalls entstehen Symptome oder Krankheiten.
  • Gefühle sind wie ein starker Regenschauer. Wenn Du Dich unterstellst und kurz abwartest, wird der Schauer schwächer und Du kannst bald trockenen Fußes weiter gehen. Auch Gefühle ebben ab, wenn Du sie zulässt und sie beobachtest.
  • Alte Gefühle sind mächtig. Sie entstehen aus dem gewohnten Hormoncocktail in unserem Körper. Aus der Vergangenheit schließt Du auf die Zukunft und projizierst vergangenen Schmerz in die Zukunft. Es ist so, als ob Du Dir im Kino den immer gleichen alten Film anschaust und einfach keine neuen Filme ins Kino kommen. (So ein bisserl wie gerade zu Corona 😉.) Lasse das nicht zu. „Steige nicht in diesen Bus“. Ich stelle mir in solchen Fällen vor, dass es nur eine Seifenblase ist, die ich mit einer Nadel aufplatzen lasse. Ich entscheide mich für neue Erfahrungen.
  • Gehe den Ursachen von Gefühlen auf den Grund, indem Du Dich liebevoll beobachtest. Selten lernst Du so viel über Dich selbst. Widerstehe dem Impuls, ein unangenehmes Gefühl gleich „wegmachen“ zu wollen mit all Deinen spirituellen und heilenden Techniken. Spiritueller Leistungsdruck bringt hier nicht weiter, denn am Ende signalisieren wir uns selbst nur, dass es nicht on Ordnung ist, auch mal eine negative Empfindung zu haben. Ich rede nicht davon, ewig unangenehme Gefühle auszuhalten, natürlich nutze ich auch meine Techniken zur Selbstheilung. Aber ich gebe mir nicht mehr das Signal: „oh ein Gefühl, wie unangenehm, nur schnell weg machen“. Das ist für mich Selbstverleugnung. Denn Seele, Geist und Körper wollen mir mit einer Emotion etwas sagen. Diese Botschaft will ich hören und mit ihnen sprechen.
  • Scheue nicht die Intensität des Fühlens. Es ist ungewohnt und kann Dich am Anfang vielleicht auch mal aus der Bahn werfen. Aber es liegt so viel Schönheit und Genuss darin und so haben viele kleine Momente, von denen Du Dich berühren lässt, ein riesiges Glückspotenzial.
  • Überprüfe, ob es überhaupt Deine eigenen Emotionen sind. Nicht selten nehmen wir Gefühle eines anderen Menschen auf und wundern uns dann über unsere krassen Stimmungsschwankungen. Mehr über fremde Energien und wie Du sie wegschickst, erfährst Du in folgenden Podcast Folgen:
    Episode 19: Gut geschützt durch den Tag. So haben fremde Energien keine Chance.
    Episode 13: Müde und ausgelaugt? Wie Du die Ursachen bekämpfst und wieder in Deine Kraft kommst
  • Es gibt auch zu starke Gefühle, die uns traumatisieren oder retraumatisieren können. Erlebnisse, die wir nicht verarbeiten können, die uns z.B. in Todesangst versetzt haben. Wenn Traumata angetriggert werden und alte Gefühle ausbrechen, ist es ratsamer, die Bilder und die belastenden Erinnerungen, Gefühle und Vorstellungen in einen Tresor zu packen und sich professionelle Begleitung zu suchen. Ansonsten chronifiziert ein Trauma.

Noch ein Podcast Tipp: Ich habe eine Mediation zur Entspannung und zur Heilung der Emotion Angst aufgenommen.

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Britta Trachsel
Diplom Psychologin und Seelen-Berufungscoach

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